„Wir bewegen Generationen“

Dieser Satz, der Ihnen wahrscheinlich schon das ein oder andere Mal auf unserer Website begegnet ist, steht sinnbildlich für das, was wir uns zur Mission, zu unserem tagtäglichen Auftrag gemacht haben. Wir wollen Sie zu mehr Sport bewegen, zu mehr Entspannung und zu einem achtsamen und verantwortungsvollen Umgang mit der eigenen Gesundheit! Egal ob in unseren Vorträgen, Seminaren, in der Therapie, im Training oder in unseren Ausbildungsprogrammen – Ihnen oder Ihren Mitarbeitern die Kompetenzen, Fähigkeiten und die Motivation für eine umfassende Gesundheit zu vermitteln ist das, was uns jeden Tag antreibt.

Im Rahmen unserer Trainingsprogramme (z.B. Gesund Abnehmen) werden wir regelmäßig gefragt, ob und welche Diätformen wir für einen Gewichtsverlust empfehlen können. Die Kurzantwort: Keine. Die etwas längere Antwort finden Sie im Folgenden.

Dickes Deutschland?

Die „gute“ Nachricht vorweg: die meisten Menschen leben in Ländern, in denen Übergewicht bzw. Adipositas mehr Menschenleben fordert als Unterernährung. Unsere westliche Ernährungsweise mit hyperkalorischen Lebensmitteln führt unweigerlich zu einer rasant wachsenden Anzahl an Menschen, die von Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs betroffen sind.

Auf Basis der Daten der GEDA 2014/2015-EHIS Befragung des Robert-Koch-Instituts sind nach eigenen Angaben der Befragten etwa 54 % der Erwachsenen von Übergewicht inkl. Adipositas (BMI über 25 kg/m²) betroffen. Die Folgekosten für das Gesundheitssystem werden für 2020 bereits auf rund 25 Milliarden Euro geschätzt. Auch die persönlichen Auswirkungen  einer verringerten Lebenserwartung und eine geringeren Lebensqualität sind massiv. Ein BMI von 35 bis 40 ist hierbei mit einem um 94 % erhöhten Sterberisiko verbunden. Ein guter Grund abzunehmen, oder?

Wieso ist das Interesse an Diäten weiterhin so hoch?

Wirft man einen Blick auf vorhandene Diäten, lässt sich zumindest ein weiter ungebrochenes Interesse an diesen erkennen. Paleodiät, Nulldiät, Ketogene Diät, Sout-Beach-Diät, Nutripoints und so weiter und so weiter. Jede Diät verspricht eine schnelle, gesunde und einfache Gewichtsabnahme. Man kommt nicht umhin sich zu fragen, wieso gefühlt jede Woche eine neue Diätform auf den Markt geworfen und vermarktet wird.

Vermutlich ist das weiter ungebrochene Interesse an neuen Strategien auch einfach damit verbunden, dass das Verhältnis von dem nötigen Aufwand und den selbst erlebten Effekten bisheriger Diäten offensichtlich nicht den Erwartungen entspricht. Das ist nicht verwunderlich – nach einer Untersuchung von Anastasiou, Karfopoulou & Yannakoulia (2015) sind Diäten langfristig zum Scheitern verurteilt. Dem Gewichtsverlust folgt in der Regel die Wiederzunahme in noch größerem Maße (Jojo-Effekt). Eventuell spielt hier auch die Darmflora eine Rolle. Übergewicht kann zu einer Verschiebung der Bakterienzusammensetzung im Darm führen (einer Dysbiose). Diese normalisiert sich vermutlich nicht vollständig nach Erreichen eines Normalgewichts. Stattdessen folgt die rasante Gewichtszunahme nach einer Diät, begünstigt durch die noch vorhandene Dysbiose. Um diesem Teufelskreis zu entkommen, ist es notwendig, langfristig zu denken und den eigenen Lebensstil zu untersuchen.

Fast jede Diätform stellt zudem eine Reihe von Regeln auf, die für einen festgelegten Zeitraum befolgt werden müssen, um das Ziel zu erreichen. Die langfristige Kontrolle des Körperfettanteils gelingt jedoch nicht, indem Einschränkungen oder Verbote zur Vorraussetzung gemacht werden. Der Großteil von uns ist weder in der Lage, noch dazu bereit, rigide Einschränkungen langfristig durchzuhalten (Bryant, King & Blundell, 2008). Ein weiteres Problem: anstatt sich mit den eigenen Ernährungsgewohnheiten zu beschäftigen, wird externen Anleitungen gefolgt, die selten auf die eigenen Wünsche oder Umstände eingehen. Das kann kurze Zeit gut gehen, vielleicht wird auch etwas Gewicht verloren. Da jedoch dabei nicht vermittelt wird, die eigene Ernährung langfristig umzustellen, ist die Gefahr in alte Gewohnheiten zurückzufallen, recht groß.

Langfristig Ernährung umstellen und Ziele erreichen

Wer langfristig Gewicht verlieren und dieses halten möchte, der kommt nicht umhin seine Ernährungsgewohnheiten auf den Prüfstand zu stellen. Auch wenn das bisher durch Diäten nicht funktioniert haben sollte – lassen Sie sich nicht entmutigen und suchen Sie die Schuld nicht direkt bei Ihnen. Die meisten Diätformen fordern tatsächlich unrealistische Einschränkungen, die weder flexibel noch alltagstauglich sind. Wer wirklich langfristig abnehmen möchte, der sollte stets eine Regel befolgen. Der Abbau von Körperfett beruht auf einem einfachen Mechanismus: Wenn ein Energiedefizit besteht, mobilisiert unser Körper die eigenen Energiereserven. Wie dieses Energiedefizit erreicht wird ist schlussendlich dann für den Gewichtsverlust auch egal. Eine erhöhte Protein- und Ballaststoffzufuhr fördert die Sättigung, wodurch weniger Nahrungsenergie aufgenommen wird, eine fettarme Ernährung führt zum Einsparen von Energie.

Eine gute Ausgangsbasis bilden die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Im Kern stehen „mehr Vollkorn statt Weißmehl und Zucker“ und „mehr Obst und Gemüse im Austausch gegen Softgetränke, Bratwurst etc.“. Bitte beachten Sie jedoch, dass diese Empfehlungen auf eine tatsächliche Ersetzung der Lebensmittel abzielen und nicht auf den zusätzlichen Verzehr. Ansonsten erhöht sich die Gesamtenergiezufuhr und das Gewicht.

Abschließende Empfehlungen

Das vielleicht Wichtigste zum Schluss: Nehmen Sie sich ausreichend Zeit um Schritt für Schritt etwas für Ihre Gesundheit und Wohlbefinden zu tun. 3 Monate sind ein guter Zeitraum. Gewohnheiten, die Ihnen schwer fallen oder weniger gut gelingen, wiederholen und vertiefen sie solange, bis sie sitzen. Egal was sie sich vornehmen, wählen Sie eine Ernährungsweise, die sie langfristig durchhalten können, erwarten Sie keine Wunder und setzen Sie sich Ziele, die wirklich erreichbar sind. Wenn Sie nur wenige Kilos zuviel wiegen, könnte Ihr Ziel heißen, ein gesunderhaltendes Essverhalten zu lernen und sich wohl zu fühlen. Wenn Sie stärker übergewichtig sind, kann Ihr Ziel sein, einige Kilos abzunehmen und eine gesündere Lebensweise zu erlernen, Ihrem Körper und Ihrer Seele mehr Gutes zu tun. Und: freuen Sie sich über kleine Erfolge, täglich. Es sind Ihre persönlichen Erfolgsschritte. Was Sie für sich selbst erreichen, zeigt nicht allein die Waage an. Einen guten Einstieg bietet das „Ich nehm ab“ Programm der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Warum und für wen will ich abnehmen? Tue ich es für mich oder für andere? Wie war es bisher – mit meinen Zielen und Vorsätzen? Warum bin ich bisher gescheitert? Was muss ich ändern, was kann so bleiben, weil es gut ist – an mir und meinen Gewohnheiten? Solche und ähnliche Fragen werden in dem Programm behandelt.

Und für alle bewegungs- und trainingsrelevanten Frage stehen wir dauerhaft zur Verfügung! Dann klappt es auch mit dem Gewichtsverlust – ohne starren Diätplan, spezielle Lebensmittel, teure Schlankheitsprodukte oder strenge Regeln. Dafür mit viel Spaß und Wertschätzung.

Quellen:

Journal of Health Monitoring (2017) Übergewicht und Adipositas bei Erwachsenen.

WHO (2020) Obesety and overweight https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/obesity-and-overweight

Statista (2017) Übergewicht und Adipositas https://de.statista.com/themen/1468/uebergewicht-und-adipositas/

Anastasiou CA, Karfopoulou E, Yannakoulia M. Weight regaining: From statistics and behaviors to physiology and metabolism. Metabolism. 2015;64(11):1395‐1407. doi:10.1016/j.metabol.2015.08.006

Bryant EJ, King NA, Blundell JE. Disinhibition: its effects on appetite and weight regulation. Obes Rev. 2008;9(5):409‐419. doi:10.1111/j.1467-789X.2007.00426.x

Hall, Kevin D et al. “Energy balance and its components: implications for body weight regulation.” The American journal of clinical nutrition vol. 95,4 (2012): 989-94. doi:10.3945/ajcn.112.036350

Jacquet, P., Schutz, Y., Montani, J. et al. How dieting might make some fatter: modeling weight cycling toward obesity from a perspective of body composition autoregulation. Int J Obes (2020).